Neues zur Corona-App der Regierung
Geschrieben von: Andreas Benner | Veröffentlicht am: 30.04.2020 13:32
blog-img

Zuletzt war viel Bewegung im Thema der Corona-Apps. Nachdem sich die Bundesregierung inzwischen von einem zentralisierten System verabschiedet hat und sich auf ein dezentrales System festgelegt hat, hat sie die beiden deutschen Tech-Größen T-Systems und SAP mit der Umsetzung beauftragt. Dabei sollen die an der bisherigen Version der App beteiligte Institute aus Forschungsgemeinschaften wie Fraunhofer und Helmholtz weiter beraten und auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sollen eingebunden werden. 


Die dezentrale App würde wie bisher auch geplant, sich per Bluetooth mit allen Geräten, die ebenfalls die App installiert haben, verbinden. Dabei würde festgehalten, wie lange die beiden Geräte in welcher Distanz zueinander waren. Wenn ein bestimmter Wert erreicht wird, merkt sich die App die User-ID des anderen Gerätes. Wie genau die App eingestellt wird, ist noch nicht klar. Derzeit liest man öfters weniger als zwei Meter Abstand für mehr als 15 Minuten.
Im Gegensatz zur ursprünglich geplanten App würden diese Daten jedoch nicht auf ein einem zentralen Server, sondern direkt auf dem Gerät des jeweiligen Nutzers gespeichert. Vorteil dabei ist, dass das System weniger anfällig für Angriffe ist, da statt einem großen, nur viele kleine Ziele mit jeweils wenig Daten existieren. 
Wenn ein Nutzer von einem Arzt positiv auf das Coronavirus getestet wird, erhält er einen Code vom Gesundheitsamt, unter dem die gespeicherten Daten freiwillig auf einen Server geladen werden können. Alle Nutzer, die in Kontakt mit dem Infizierten standen, werden nun in Ihrer App informiert, dass sie Kontakt mit einem Infizierten hatten und sich beim Gesundheitsamt melden sollten. 


Wie effektiv sich die App zur Bekämpfung des Coronavirus beitragen kann, wird stark davon abhängen, wie viele Menschen die App auch nutzen. Darum gibt es bereits einige Stimmen, die eine App-Pflicht befürworten oder Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen für Einzelpersonen von der Nutzung der App abhängig machen wollen.
Diesen Weg halte ich nicht für den richtigen. Abgesehen davon, dass diese Lösung eine Menge weiterer (datenschutz-)rechtlicher Fragen aufwerfen würde, deren Klärung die Veröffentlichung der App weiter verzögern würde, stellt sich bereits die Frage, wie diese Pflicht überhaupt umgesetzt und kontrolliert werden kann. 
Der bessere Weg wird sein, auf die Mitwirkung der Bürger zu vertrauen und durch offene und klare Kommunikation für die App zu werben. Auch aus diesem Gesichtspunkt ist es gut, dass das neue Modell auf eine dezentrale Speicherung setzt und so hoffentlich für mehr Vertrauen bei den Anwendern genießt.